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Eissegeln

Für alle, die es auch im Winter nicht lassen können

Wer denkt, die Segelsaison in MV ist bereits zu Ende, der hat sich gewaltig getäuscht. Bei Temperaturen unter Null Grad Celsius geht es erst richtig los, zumindest für die Eissegler. Auf drei Kufen sausen sie mit bis zu 120 Stundenkilometern über das Eis. "Am besten sind natürlich flache Gewässer, die schnell zufrieren. Dazu zählen bei uns der Schweriner See, der Goldberger See, die Müritz, das Achterwasser und die Bodden um Rügen" erklärt der Flottenobmann Nordost, Hans-Heinz Schmidt aus Warnemünde.

Wann die Saison beginnt und wie lange sie dauert, das hängt ganz vom Winter ab. Meistens geht es in der letzten Dezemberhälfte los und dauert bis Ende Februar. Die letzten drei Winter herrschte jedoch Flaute in puncto Eissegeln in MV. Doch fahren wahre Eissegel-Freaks zur Not dem Eis auch kilometerweit hinterher, oftmals bis nach Schweden oder rauf nach Finnland, geeignete Reviere gibt es auch in Holland oder den Masuren in Polen. Viele Eissegler haben sich bereits einen Motorhome zugelegt, um möglichst unabhängig von Unterkünften und sonstiger Infrastruktur direkt an die besten Stellen zu gelangen.

Wann und wo das beste Eis - am liebsten in einer Stärke von 12 cm und ohne Schnee - zu finden ist, darüber können sich die Mitglieder der Eissegelflotte in der Saison jeweils ab Donnerstag 19.00 Uhr unter einer Telefonhotline (06979-124 35 98) oder im Internet informieren. Und dann geht es los. Oft kilometerweit, in eisiger Kälte, mit der gesamten Familie. "Der Reiz dieser Sportart liegt in der Geschwindigkeit. Und darin, dass es eine sehr familiäre Angelegenheit ist. Anders als beim Segeln kann die gesamte Familie direkt teilhaben an der Ausübung des Sports und selber auf dem Eis aktiv werden. Meist gibt es auch immer heißen Grog oder Glühwein, es ist schon eine tolle Atmosphäre" beschreibt Hans-Heinz Schmidt, der bereits seit 1982 einen Eissegelschein besitzt.

Rund 40 Eissegler sind in Mecklenburg-Vorpommern registriert, doch nur 25 von ihnen nehmen auch regelmäßig an Regatten teil. Darüber hinaus gibt es zahlreiche "Unorganisierte", ganz zum Leidwesen des Flottenobmanns aus Warnemünde: "Noch haben wir nicht alle unter einen Hut gebracht, was natürlich auch eine gewisse Gefahr in sich birgt. Denn, fährt jeder einzeln auf dem See herum und kennt sich dann auch nicht einmal mit dem allgemeinen Reglement aus, dann kann es schnell zu Zusammenstößen kommen" erläutert er. Nicht von ungefähr machen die Ausweichregeln bei der Führerscheinprüfung für Eissegler einen großen Bestandteil aus. Doch richtig gefährlich ist die Sportart nicht - dafür sorgen Helmpflicht und Eispickel, zwei Hölzer mit spitzen Metallenden, die die Aktiven um den Hals hängen haben, um sich im Falle eines Einbruchs am Eis hochziehen zu können.

Für diesen Winter können die Eissegler aus MV endlich einmal wieder auf gutes Eis hoffen: "Alle, auch die Wetterfachleute, sagen, dass es einen tollen und knackigen Winter geben wird. Wäre nach den letzten drei Jahren auch mal wieder an der Zeit" freut sich Schmidt. Und lädt alle, die sich für diese eiskalte und schnelle Sportart interessieren, ein, vorbeizuschauen beim Stützpunkt der Eissegler aus MV auf dem Inselsee bei Güstrow (Clubgelände des WSV Güstrow 1928). Wer bereits vorher Kontakt zur Flotte aufnehmen will, für den gibt es unter www.eissegeln.de alle relevanten Adressen, Telefonnummern und Termine.

Kaltes Vergnügen mit langer Geschichte

Bereits im 17. Jahrhundert war das Eissegeln in Schweden und in den Niederlanden bekannt. Holländische Einwanderer brachten es Ende des 18. Jahrhunderts in die USA. Zunächst als Transportmittel genutzt, gewann der sportliche Aspekt des Eissegelns zusehends an Bedeutung. 1865 entstand am Hudson River der erste Eissegelclub der Welt, und 1881 fand, ebenfalls in den USA, die erste Weltmeisterschaft statt. Aber auch in Lettland, Estland, Rußland und Litauen wurden zu diesem Zeitpunkt schon Regatten veranstaltet.

Die Unterschiedlichkeit der Konstruktionen verlangte sehr schnell eine Einteilung in diverse Klassen, die eine organisierte Verbandsarbeit notwendig machte. 1928 entstand die Europäische Eissegel Union, der alle eissegelnden Länder beitraten. Der Eissegelausschuß des Deutschen Segler Verbandes übernahm die Festlegung der Wettsegelbestimmungen.

Das Jahr 1937 hat in der Geschichte des Eissegelsports eine ganz besondere Bedeutung: Die amerikanische Zeitung "Detroit News" wollte dazu beitragen, die Sportart einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie veranstaltete einen Konstruktionswettbewerb mit dem Ziel, einen preiswerten und leichten Schlitten zu entwickeln. Das Ergebnis wurde nach der Zeitung DN-Yacht genannt. Einige technische Daten der heute international populärsten Klasse:

  • Länge: 3,60 m
  • Mast: 4,70 m
  • Segel: 6,50 qm
  • Planke: 2,40 m
  • Rumpfgewicht mind. 21 kg
  • Tempo ca. 100 km/h (der Weltrekord liegt übrigens bei ca. 230 km/h!)

Die Wettsegelbestimmungen der 1953 gegründeten International DN Ice Yacht Racing Association (IDNIYRA) lösten 1953 die der Europäischen Eissegel Union ab. Seit 1972 wird mit dem DN-Cup-Gold jedes Jahr, abwechselnd in den USA und Europa, eine Weltmeisterschaft ausgetragen.

Der Tipp: Europäisches Eissegel-Museum in Berlin

Wer noch mehr über die Geschichte des Eissegelsports wissen möchte, für den lohnt sich ein Besuch des Europäischen Eissegel-Museums in Rangsdorf bei Berlin, eröffnet am 1. April 2001. Über 4000 Dokumente, ein Yachtregister, 1000 historische Fotos und Ehrenmedaillen zeugen von der langen Geschichte des kalten Sports.

Weitere Informationen finden Sie unter: www.buecker-museum.de

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